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5. September 2016: 8 Fragen der Verdener Nachrichten – 8 Antworten von Richard Eckermann

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„Die Verdener Nachrichten haben allen drei Ratsfraktionen anlässlich der Kommunalwahl am Sonntag den 11. September acht Fragen zu wichtigen Themen für die Gemeinde Kirchlinteln gestellt. Nachfolgend die Antworten unseres Fraktionsvorsitzenden Richard Eckermann:

1. Welche Potenziale sehen Sie für die Ortskerngestaltung in den kommenden Jahren und welche Aspekte sind Ihnen dabei wichtig?

Ortskerne leben davon, dass sie Möglichkeiten zur Begegnung, zum Treffen und Einkaufen bieten. Die Gemeinde muss dafür durch Bauleitplanung gute Voraussetzungen schaffen. Wir wollen lebendige Ortsmitten, in denen sich gut wohnen und leben, aber auch arbeiten lässt. Gerade in den kleineren Orten gilt es, Leerständen und Verfall frühzeitig entgegenzuwirken. Die alte Schule in Nedden ist ein Beispiel, wie es nicht laufen darf. Als SPD unterstützen wir die Umnutzung ehemaliger Hofstellen, Verkehrsberuhigung und Innenverdichtung sowie Dorfgemeinschaftshäuser als Treffpunkte von Jung und Alt. In der SPD-Fraktion gibt es unterschiedliche Meinungen zur geplanten EDEKA-Ansiedlung im Hauptort Kirchlinteln. Mehrheitlich sind wir aber der Auffassung, dass Einkaufsmöglichkeiten auch hier in die Ortsmitte gehören. Das Bauleitplanverfahren wollen wir dazu nutzen, wo dies möglich erscheint, noch Verbesserungen im Hinblick auf Bedenken hinsichtlich der Gestaltung und Verkehrsanbindung zu erreichen.

2. In Kirchlinteln gibt es noch viele weiße Flecken beim schnellen Internet, wie wollen Sie sich dafür einsetzen?

Ein schneller Internetanschluss gehört heute genauso wie Wasser- und Stromanschluss, Kanal oder Straßenanbindung zur Grundversorgung. Schnelles Internet ist Grundvoraussetzung einer guten Infrastruktur und kann zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in unseren Dörfern beitragen. Um als ländliche Gemeinde nicht abgehängt zu werden, müssen wir im Rat gemeinsam engagiert daran arbeiten, in den nächsten Jahren alle „weißen Flecken“, das heißt alle Bereiche, in denen die Anschlussqualität noch nicht ausreicht, zu beseitigen. Im 21. Jahrhundert entscheidet die Frage eines guten Internetanschlusses mit über die Zukunftsfähigkeit einer Region. Wir wollen in allen Ortschaften freie WLAN-Zugänge für Einheimische und Gäste schaffen. Das stärkt auch den Tourismus. Klar ist für uns auch, unsere große Flächengemeinde kann diese Zukunftsaufgaben alleine nicht stemmen. Es ist gut, dass das Land Fördermöglichkeiten bietet. Kirchlinteln braucht aber auch eine finanzielle Unterstützung des Landkreises.

3. Kirchlinteln ist knapp bei Kasse - wo sehen sie Einsparpotenziale?

Die Gemeinde muss weiter sparsam wirtschaften, sie tut das schon heute. Sparpotential sehen wir künftig dadurch, dass noch stärker auf interkommunale Zusammenarbeit mit Stadt und Nachbargemeinden aber auch mit dem Kreis gesetzt wird. Nicht alles muss Kirchlinteln selbst machen, bestimmte Verwaltungsaufgaben können effektiver und manchmal auch besser gebündelt werden. Angesichts der vielfältigen Aufgaben und der großen Fläche unserer Gemeinde sind große Einsparungen schwierig. Für uns ist klar, dass wir weder bei den Feuerwehren noch bei den Kindergärten oder Schulen sparen dürfen. Diese Bereiche sind für die Sicherheit der Bevölkerung und die Zukunft von besonderer Bedeutung. Das meiste Geld investieren wir in unsere Kitas. Hier wird es mit der SPD keine Kürzungen und auch keine regelmäßigen Gebührenerhöhungen geben. Unsere wichtigste Einnahmequelle ist der gemeindliche Anteil an der Einkommenssteuer. Wir müssen deshalb durch Zukunftsinvestitionen (Bahnhalt, Krippe, Ganztagsschulen) attraktiv für junge Familien und Zuziehende sein.

4. Welche Bedeutung hat für Sie die der Bahnhalt Kirchlinteln

Eine sehr, sehr große! Für uns ist der Bahnhalt das wichtigste Zukunftsprojekt für die Gemeinde. In Kirchlinteln gibt es kaum Industrie, dafür aber eine hohe Wohnqualität, schöne Dörfer und wunderbare Natur. Für die Bevölkerung in Kirchlinteln und der Lintler Geest ist die Möglichkeit, mit der Bahn direkt Richtung Bremen zu fahren, ein riesiger Gewinn. Kirchlinteln wird damit attraktiv für viele neue Einwohnerinnen und Einwohner, für die wir auch neue Baugebiete schaffen wollen. Auch für den sanften Tourismus als Zauberwort bieten sich neue Chancen. Die Belegungszahlen geben uns Recht und lassen sich weiter ausbauen. Dank der rot-grünen Landesregierung sind die Weichen für eine Realisierung des neuen Bahnhalts in der Ortsmitte gestellt. In den nächsten fünf Jahren wollen wir diese langjährige SPD-Forderung im Rat praktisch umsetzen.

5. Sollen die Grundschulen in Bendingbostel und Luttum zu Ganztagsgrundschulen umgewandelt werden?

Ja, wir halten es für zeitgemäß und auch aus bildungspolitischer Sicht für sinnvoll. Die stetig steigenden Zahlen von Kindern in der Hortbetreuung zeigen den Bedarf. Die SPD hat vor einem Jahr den Antrag gestellt, zügig Ganztagsangebote an unseren Grundschulen zu schaffen. Dem ist der Rat gefolgt. Seitdem arbeitet eine AG an der Umsetzung. Zurzeit läuft gerade eine Befragung der Eltern, wie der konkrete Bedarf aussieht und was für eine Ganztagsgrundschule sie sich vorstellen könnten. Wir setzten darauf, dass ein Ganztagsangebot auf dieser Grundlage rasch auf den Weg gebracht werden kann. Um uns herum entstehen bereits in fast allen Gemeinden Ganztagsgrundschulen. Wir dürfen dabei nicht ins Hintertreffen geraten. Wie heißt es sonst so schön: „Der letzte macht das Licht aus …“

6. Sehen Sie die Notwendigkeit einer neuen Krippe in der Gemeinde?

Absolut. Schon vor einem Jahr hat die SPD mit Unterstützung des Bürgermeisters die Einrichtung einer neuen Krippe in Kirchlinteln beantragt. CDU und Grüne haben das damals in einer Kampfabstimmung leider abgelehnt. Und dass, obwohl es dafür erhebliche Zuschüsse von Bund und Landkreis gegeben hätte, die jetzt weggefallen sind. In der neuen Ratsperiode wird das Thema aber wieder auf der Tagesordnung stehen, denn die Zahlen geben uns recht: Waren im vergangenem Jahr alle fünf Krippengruppen mit zehn Kindern besetzt, sind heute, nur ein Jahr später, bereits alle Gruppen mit der Maximalzahl von 15 Kindern belegt. In Kirchlinteln selbst gibt es eine stetig wachsende Warteliste. Leider wird der Neubau ohne Zuschüsse jetzt teurer für die Gemeinde. Das haben CDU und Grüne zu verantworten.

7. Kann man den Einwohnerschwund insbesondere in den Außenbereichen der Gemeinde begegnen?

Kirchlinteln besteht aus 17 einzelnen Ortschaften; der Begriff Außenbereiche passt insofern nicht. Egal ob groß oder klein, die SPD möchte alle Ortschaften erhalten und weiterentwickeln. Zentral wird dafür die Schaffung neuen Wohnraums, und auch kleinerer Wohnungen für Ältere und Junge sein. Wir setzen dazu auf Umnutzung alter Bestandsgebäude und eine Förderung der Innenentwicklung. Von großer Bedeutung sind aber auch gute Kinderbetreuungs- und Schuleinrichtungen. Deshalb halten wir an zwei Grundschulstandorten in der Gemeinde fest und wollen unsere Krippen und Kitas weiter gut ausstatten. Dazu gehört auch die frische Zubereitung des Essens für unsere Kleinen, an der es mit der SPD keine Abstriche geben wird. Die Busverbindungen in den Kleinbahnbezirk wollen wir durch Trennung der Radiallinie verbessern.

8. Frei nach Angela Merkel - schafft Kirchlinteln das? Wie ist die Integration der Flüchtlinge in der Gemeinde gelungen?

Die Gemeinde Kirchlinteln ist ein tolles Beispiel: Die vielen Ehrenamtlichen in unseren Dörfern haben die Ärmel hochgekrempelt, den zu uns Geflohenen zur Seite gestanden und ganz praktisch gezeigt: „Wir schaffen das nicht nur, wir machen das!“. Es ist beeindruckend, wie engagiert und erfolgreich die Integration in unseren Dorfgemeinschaften vor Ort angegangen worden ist. Armsen mit seinem scheidenden SPD-Ratsherrn und Ortsvorsteher Friedel Koch ist dafür nur ein Beispiel. Im vergangen Jahr ist unsere Gemeinde zeitweilig Zuflucht und neue Heimat für mehr als 130 Flüchtlinge gewesen – ohne dass es irgendwo zu wirklichen Problemen gekommen wäre. Dafür gilt allen Ehrenamtlichen unser großer Dank. Sie prägen das freundliche Gesicht unserer Gemeinde. Wir wissen aber auch, künftig braucht es viel Unterstützung, um Integration dauerhaft erfolgreich zu machen. Wir setzten dabei auf Sprachkurse und aktive Arbeitsplatzförderung durch den Landkreis.

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